Stiller Burnout

„Burnout steht in keiner meiner Bilanzen.“

Diesen Satz hat mir vor einiger Zeit ein Geschäftsführer gesagt.
Nicht stolz, sondern sehr nachdenklich.

Wir saßen im Coaching, und er sprach zum ersten Mal darüber, was er insgeheim längst wusste:
Seine besten Leute funktionierten zwar, aber sie wuchsen nicht mehr (weder fachlich, noch persönlich).
Das System und die Struktur hat es einfach nicht zugelassen. Ganz im Gegenteil: Sie verbrannten nach und nach. Kurze oder auch lange Ausfälle durch Burnout oder Erschöpfungs-Symptome.

Der Moment, der ihn wach gerüttelt hat

Ich fragte ihn: „Wie viel vom Potenzial deiner Mitarbeitenden erscheint eigentlich in deinen KPIs?“
Und schon kehrte Ruhe ein.

Er hatte nie darüber nachgedacht, weil er nie nachmessen konnte, was täglich verloren geht – an verschwendeter Energie, an unterdrückten Ideen, an Menschen, die innerlich vielleicht schon längst gegangen sind.

Wir nennen das gerne Resilienz.
„Haltet durch. Seid flexibel. Passt euch an.“

Die Wahrheit dahinter ist unbequem

Resilienz ist kein Stärke-Programm. Sie ist eine Entschuldigungsstrategie.

Beispiele:
→ Chronische Unterbesetzung? „Seid resilient.“
→ Unrealistische Deadlines? „Seid resilient.“
→ Toxische Führungskultur? „Seid resilient.“

Das Problem sitzt nicht im Menschen. Das Problem sitzt in der Struktur und im Design der Arbeit.

Burnout ist keine Schwäche. Es ist die Folge eines unternehmerischen Konstruktionsfehler.
Echte Führung bedeutet nämlich, Systeme zu hinterfragen – reparieren zu dürfen. Es ist kein Sprint, um die Mitarbeiter zu verausgaben. Sondern ein Marathon, an dem alle mit einem gesunden Energiehaushalt erfolgreich durch das Ziel gehen.

Was dieser Geschäftsführer nach dem Coaching sagte:
„Ich habe Mitarbeitende jahrelang als Kostenstelle gesehen. Dabei sind sie mein größter ungenutzter Hebel.“